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Kultur-Infos
Acarajé:
in Öl ausgebackene runde Küchlein, die mit einer scharfen Soße (vorwiegend mit
Krabben) gefüllt werden. Sie werden von in Weiß gekleideten, der Zunft der "Baianas
de Acarajé" zugehörigen Frauen verkauft, die in Bahia besonderes Ansehen
genießen. Der Name Acarajé stammt von den
Yoruba- Ausdrücken acará
(Feuerkugel) und jé (j= weiches sch: essen), heißt also "Feuerkugel essen"
(Quelle: Revista eletrônica do IPHAN). Die Herkunft des Gerichts wird im Mythos
über das Verhältnis von
Xangô
mit seinen Frauen
Oxum und Iansã
erklärt. Das
Küchlein ist also eine Opfergabe an diese
Orixás
.
Afrikanische Kultur in Brasilien (Ursprünge):
Die portugiesische Krone war 1452 von
Papst Nicolaus V.
dazu "bevollmächtigt worden, "Sarazenen,
Heiden und andere Ungläubige" zu unterwerfen, sich deren Güter und Landereien zu
bemächtigen und die einheimische Bevölkerung zu ewiger Sklaverei zu verdammen.
Auf diese Weise erhielten die Portugiesen die "Legitimation", die dazu führte,
dass während 3 Jahrhunderten etwa 5 Mio. Afrikaner als
Sklaven der portugiesischen Kolonialherren nach Brasilien verschleppt wurden.
Über die "Verlade- und
Entladeorte" und die Zahl der betroffenen Menschen sowie den
Zeitraum der jeweiligen Sklaventransporte gibt es kaum präzise Angaben. Diese
Sklaven wurden hauptsächlich in Salvador, Recife,
Rio de Janeiro
und Paraty an
Land gebracht.
Sie entstammten unzähligen Stämmen.
Dem entsprechend groß war die Zahl der vertretenen Sprachen und Dialekte -ein
wahres Babylon. Die Portugiesen achteten sehr darauf, dass sowohl während des
Transportes, als auch an den späteren Einsatzorten keine Konzentration von
Sklaven des selben Volkes entstanden. Diese Strategie, und auch die
unterschiedlichen Religionen und Stammeskulte der Sklaven, behinderte sehr stark
die gegenseitige Verständigung und Solidarisierung unter ihnen.
Im 16. Jahrhundert gelangten überwiegend Sklaven aus
dem Guinea-Raum, und im 17. Jh. aus dem Kongo und aus Angola
(vornehmlich Bantu-Gruppen) nach Brasilien. In den letzten 70 bis 100 Jahren des
Sklavenhandels mit Brasilien wurden in großer Zahl Menschen aus der Region der
heutigen westafrikanischen Staaten
Ghana
(ehemals Goldküste),
Togo,
Benin (dem früheren Dahomey)
und Nigeria
und diese umgebenden Gebieten nach Salvador verschleppt.
Auch nach dem Verbot von Sklaven-Import wurden Afrikaner noch eine Zeit lang aus
verschiedenen Teilen Afrikas nach Brasilien "geschmuggelt". Die Taktik
der Portugiesen, Afrikaner zu versklaven, beruhte
überwiegend darauf, entweder mit afrikanischen Herrschern
Pakte einzugehen, um an deren Kriegsgefangene zu
gelangen, oder afrikanischen Mittelsmännern den
Auftrag zu erteilen, im Hinterland Sklaven zu
"besorgen". So nahmen die Portugiesen zunächst friedlichen Kontakt mit dem Königtum
Kongo auf (1483) und schlossen einen Pakt (1512), der formal den Kongoherrscher
dem portugiesischen König gleich stellte . Während die Portugiesen auf diese Weise
eine Vormachtstellung auf diese Weise absichern wollten, mit dem Ziel, möglichst
viele kongolesische Gefangene in Sklaven zu
verwandeln, rechnete sich der Kongokönig eine Stärkung seiner Position gegenüber
anderen Machthabern der Region aus. Allerdings sollte die Zuwendung der
Portugiesen nicht allzu lange dauern. Als sie erkannten, dass südlichere Gebiete
noch viel versprechender für ihre Interessen waren, verlegten sie ihre
Einflusssphäre nach Angola.
Derartige Interventionen schürten natürlich Konflikte zwischen den einzelnen
(afrikanischen ) Reichen; es kam zu kriegerischen
Auseinandersetzungen, die letztlich die europäische Hoffnungen auf Rekrutierung
von Sklaven erfüllten. Die Auswirkungen des Sklavenhandels auf die afrikanische
Welt ist bekannt. Die Palette reichte von nicht enden wollenden Kleinkriegen bis
hin zu Umstrukturierungen von Gesellschaften, die sich auf die Auslieferung von
Sklaven spezialisierten: Millionen von Toten, Millionen von in die Neue Welt
verschifften Sklaven.
Der so genannte Dreieckshandel war im Grunde eine portugiesische "Erfindung": an
der afrikanischen Küste wurden billige Produkte gegen Sklaven getauscht, die
man nach Amerika verschiffte und dort gegen Rohstoffe handelte. Diese wiederum
wurden nach Lissabon gebracht und dort zu Höchstpreise verkauft. Zahlungsmittel
in jenem Dreieckshandel wurde somit der Schwarze Sklave. Diese Menschen wurden
dann zunächst fast ausschließlich im Zuckerrohranbau eingesetzt.
Die Tatsache so gearteter Kooperation afrikanischer Herrscher und Opportunisten
mit Europäern zu Ungunsten eines Teils der
Afrikaner wird von den brasilianischen Nachfahren eben dieser Ausgebeuteten
verständlicherweise als sehr unwürdig und traumatisierend erlebt. Die
Enttabuisierung dieser Episode kommt in Brasilien erst jetzt allmählich in Gang.
Afro- BrasilianerInnen werden die Nachfahren von
afrikanischen Sklaven, die nach Brasilien "verfrachtet" wurden,
genannt. Als Beispiel von Schicksale von Afro- BrasilianerInnen möchte ich hier
jeweils einen Zeitungsartikel über
Gilberto Gil,
bis kürzlich Kulturminister Brasiliens, und über
Straßenkinder- und Jugendliche in Salvador (diese entstammen größtenteils ebenfalls afrikanischen Sklaven) vorstellen.
Brasilien hat nach Nigeria die zweitgrößte schwarze Bevölkerung der Welt. Im
Jahr 2000 waren von den
fast 170 Millionen Brasilianern 76,5 Millionen Afro-BrasilianerInnen.
Baianas de Acarajé:
als Brasilien noch portugiesische Kolonie war, wurde es
schwarzen Sklavinnen
mit der Zeit ermöglicht, sich als Straßenverkäuferinnen zu betätigten, wobei sie einen
Teil ihrer Einnahmen an den Sklavenhalter abgeben mussten (von dem Angesparten
konnte manche von ihnen von ihnen die Freiheit erkaufen). Sie balancierten
hierzu auf dem Kopf ein Tablett durch die Straßen, auf dem sich die
Lieblingsspeisen der Orixás befanden, welche an Passanten verkauft wurden. Nur
im Candomblé Initiierte durften dies tun. Hierbei trug jede Kleidung und Schmuck
des ihr entsprechenden Gottes. Ursprünglich durfte
Acarajé nur von den
Initiierten Iansãs, der
Göttin
des Windes, der Blitze und Gewitter, verkauft werden, ein Brauch, der
allmählich aufgelockert wurde. Seit jener Zeit ist der Acarajé-
Verkauf eine der
Möglichkeiten der Afro- Brasilianerinnen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Seit ca. 50 Jahren ist dieser Verkauf in
Salvador an
bestimmte Stellen in der Stadt gebunden, wo diese Frauen ihre
Spezialitäten verkaufen (siehe auch bei
Speisen).
Balé Folclórico da Bahia: bei dem 1988 entstandenen und international renommierten Folklore- Ballet von
Bahia handelt es sich um die einzige professionelle Folkloretanz- Truppe
Brasiliens. Sie setzt sich aus Tänzern und Musikern zusammen und hat den Alltag
und die Kultur Bahias, einschließlich der afrobrasilianischen Religion
Candomblé (siehe unten) zum Thema.
Bloco
carnavalesco
:
es handelt sich
um eine Gruppe von Personen, welche häufig in gleicher Kleidung etwas ungeordnet
im brasilianischen Straßenkarneval auftritt.
Bloco Afro ist
solch ein Bloco, der Rhythmen, Tänze und Kleidung afrikanischer Tradition und
aus der portugiesischen Kolonialzeit Brasiliens
präsentiert (siehe auch bei "Ilê Aiyê", das
auf Yoruba "Haus des Lebens" bedeutet. Dieser Bloco wurde 1974 gegründet).
Weitere namhafte Blocos Afro:
Olodum (gegründet 1979), Ara Ketu (1980), Malê Debalê (1981)
und
Muzenza (1981).
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Bloco Olodum ist das bekannteste Perkussions-Ensemble Bahias. Der Name Olodum
entstammt dem Yoruba- Ausdruck „Olodumare“, gleichbedeutend mit "Olorum", dem Gott der Götter
und somit oberste Gottheit im Candomblé- Glaube. Die Gruppe entstand
vor 25 Jahren als Teil der „Negritude“- Bewegung, deren Leitmotiv die Stärkung
des Selbstbewusstseins und des Eigenstolzes der schwarzen Brasilianer ist
(diese sind durch die zweifache Versklavung ihrer Vorfahren so
traumatisiert, dass es immer noch in Teilen der schwarzen Bevölkerung
Brasiliens als „höherwertiger“ gilt, weiß zu sein).Sie wurde zu Beginn durch ihre Auftritte bei den sog. „Blocos Afro“ in Salvadors
Karneval bekannt. Der amerikanischen Pop Star Paul Simon lud Olodum dazu ein,
den rhythmischen Hintergrund von seiner CD "Rhythm of the Saints" zu gestalten.
Olodum betreibt auch mehrere soziale und erzieherische Projekte. An jedem
Dienstag spielt die Gruppe auf dem eigenen Musik- Areal „Largo Teresa Batista“
vor zahlendem Publikum. Hierbei werden gemeinsam mit diesem von Olodum selbst
kreierte Tanz- Choreografien (es tanzt natürlich nur mit, wer will) und zudem
noch der Bahianische Swing: „Suingue Baiano“vorgeführt.
(überwiegend entnommen aus www.afropop.org , verändert) |
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Bumba-meu-boi:
folkloristische Darbietung, in denen mittels Tänzen, Gesängen und Vorträgen
Ereignisse im Zusammenhang mit Leben, Tod und Auferstehung eines Ochsen* gezeigt
werden . Es handelt sich um eine dramatisches Tanz-
und Theaterdarstellung mit höchster ästhetischen und sozialen Bedeutung im
brasilianischen Folklore. Bumba-meu-boi entstand auf den Viehzucht- Fazendas,
bzw. in den Zuckerfabriken (sog. usinas de cana-de-açúcar) und Zuckerrohrschnaps
(= cachaça)- Brennereien des brasilianischen Nordostens am Ende des 18. Jh.. Die
Aufführungen finden im Freien statt und können bis zu 8 Stunden dauern. Die
Interpreten stehen dabei mitten in einem durch das Publikum gebildeten Kreis und
stehen mit diesem andauernd in einem improvisierten Dialog.
*dieser wird durch einen im inneren eines mit Tüchern überzogenen
Metallgestänges agierenden Künstlers dargestellt |
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Candomblé: eine in Bahia
allgegenwärtige und in unterschiedlichen Varianten in ganz Brasilien und einigen
Nachbarländer praktizierte afro-brasilianische Religion, in der die
Orixás verehrt werden. Der Candomblé in Bahia hat seinen
Ursprung vor allem im Glauben der
Yoruba, die als Sklaven
von den Portugiesen aus der Region des
heutigen Nigerias und Benins (dem ehemaligen Dahomei) vor allem in das Gebiet des heutigen
Bundesstaates Bahia verschleppt worden sind.
Capoeira oder Jogo de Capoeira, Entstehung und
Bedeutung:
von afrikanischen Sklaven in Brasilien entwickelte Kampf- und Tanzkunst.
Den schwarzen Sklaven war in der Regel Waffenbesitz
untersagt. Aus diesem Grunde entwickelten sie ein als Tanz getarntes
"Gesellschaftsspiel", das "jogo de capoeira" (wörtl.: Capoeira- Spiel), welches
auch sehr effektiv als Kampfsport eingesetzt werden kann. Im Ernstfall ist es
ohne weiteres möglich, mittels "Capoeira" jemanden ernsthaft zu verletzen oder
gar zu töten.
"Capoeira verbindet so Gegensätzliches, wie Kampf und Tanz, Gewalt und Ästhetik,
Spiel und tödlichen Ernst, Ritual und Spontaneität,, choreographische Strenge
und Bewegungsimprovisation, Magie und Realitätssinn, Körperschulung und
Lebensphilosophie" (sekundär zitiert nach Onori, 1988).
Die "Roda de Capoeira" wird von einem oder mehreren "Berimbaus" musikalisch an-
und eingestimmt. Das Berimbau ist ein 1-saitiges Instrument, dessen
Schwingkörper aus einer Kalebasse besteht. Dazu gehört auch ein "caxixi", eine
Rassel aus einem mit Samenkörner gefülltem Körbchen. Als weitere
Begleitinstrumente sind Doppelglocken (agogôs), Schrapidiophone ("reco- reco"),
Tamburine ("pandeiro") und große stehende Trommeln ("atabaque") üblich. Die
ursprüngliche rhythmische Unterstützung war wohl das Händeklatschen, das auch
heute noch zu jedem "Spiel" dazugehört (Text überwiegend aus dem
Internet).
Die Körperbewegungen und die musikalischen Elemente dieses "Spiels" stammen sehr
wahrscheinlich aus dem Angolaraum.
Casa de Jorge Amado: in diesem Museum erhalten Sie reichlich präzise
Informationen über Werk und Leben Jorge Amados, dem weltbekannten bahianischen
Schriftsteller, der uns in seinen Romanen sehr lebendig und treffend Alltag,
Religion und Mystik Bahias nahe bringt.
Casa do
Benim: hier können Sie im Vergleich die Kultur und Religion im Königreich Dahomei (dem
heutigen Staat Benin in Westafrika) und in Salvador anhand von Geschichte,
Kunst- und Kultgegenständen und der Architektur in beiden Regionen beobachten.
Viele der nach Brasilien verfrachteten schwarzen Sklaven entstammen der Region
Dahomei. Anfangs des 20 Jahrhunderts gab es eine Rückwanderungswelle ehemaliger
Sklaven und deren Nachfahren von Bahia dorthin.
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Dique do Tororó:
Stadtsee in Salvador, in dem ein Monument an die
Orixás
steht. Für die Gläubigen der Candomblé- Religion ist dieser Stadtsee
einer der „Wohnungen“ der Göttin der Süßwassers, der Seen und Quellen
Oxum
(sprich: Oschung, mit Betonung am Ende). Insgesamt präsentieren sich 8 dieser
Orixás in dem See: Ogum (Gott des Eisens und des Krieges),
Oxóssi (der
Jagdgott), Xangô (Gott des Donners und Blitzes),
Oxalá (der Vater aller anderen
Orixás), Yemanjá (Göttin des Meeres und Mutter der Orixás),
Oxum (s.o.), Nanã (ältester weiblicher Orixá) und
Iansã ( auch
Oyá genannt: Göttin
des Windes, der Blitze und Gewitter). |
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Feira de São Joaquim (Sankt
Joachim- Markt ):
hier sind Sie richtig, wenn Sie ein Stück bahianischer Realität an einem Ort
suchen, wo einfache Menschen in Bescheidenheit und bei gegenseitigem Respekt
eine eigene Welt schufen, in die der Alle- Welt- Tourismus eigentlich so gar
nicht reinpasst (weitere Infos dazu im Internet unter „feira de sao joaquim
salvador“). |
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Flughafen
von Salvador:
ist ca. 30 km von Salvadors Stadtzentrum und 65 km von Imbassaí entfernt.
Gilberto Gil,
geb. am 26.Juni 1942 in Salvador da Bahia, ist als Sänger und Komponist eine der
hervorragenden und kreativsten Persönlichkeiten der brasilianischen Volksmusik.
Mitte der sechziger Jahre vom Bossa Nova inspiriert, begründete er
mit seinem Weggefährten Caetano Veloso den Tropicalismo. Die beiden provozierten die herrschende
Militärjunta, wurden inhaftiert, schließlich ausgewiesen und verbrachten drei
Jahre im Exil. Nach dem Ende der Diktatur saß Gilberto Gil für die Grünen im
Stadtrat von Salvador da Bahia.
Vom 1. Januar 2003
bis Juli 2008
war er Kulturminister der Regierung von
Präsident Inácio Lula da Silva. Hier erzählt er davon, warum er ein Rebell
geblieben ist:
Es gibt Tage, da kann ich sagen: Ich habe geschlafen. Und
zugleich: Ich habe nicht geschlafen. Ich habe meditiert. Es kann sein, dass ich
nicht schlafe, aber zugleich träume. Die Grenze zwischen Traum und Meditation
ist sehr schmal. Bei der Meditation folge ich keiner bestimmten Methode mehr.
Ich habe vier, fünf verschiedene ausprobiert. Zwei indische Meister gaben mir
Mantras, die ich lange Zeit kultiviert habe. Am Ende gab ich alle Methodik auf,
indem ich die Meditation sich selbst offenbaren ließ. Ich gehe so weit zu sagen,
dass ich nicht mehr bewusst meditiere. Meditation ist eine Geisteshaltung
geworden. Manchmal meditiere ich schlafend, manchmal erlaube ich einfach dem
Strom von Raum und Zeit, meinen Gedanken Gestalt zu geben. Meditation heißt: der
Dinge gewahr werden.
Gelegentlich wache ich freitags auf und denke: Heute ist Freitag, heute sollte
ich weiße Kleidung tragen, so wie es im Candomblé- Glauben üblich ist. Heute muss
ich meinen Vorfahren Ehre erweisen. Aber bisweilen sage ich auch einfach: nein.
Dann ziehe ich es vor, Schwarz zu tragen, wenn man von mir Weiß erwartet. Und
sei es nur, um zu zeigen, dass die Regel die Ausnahme ist. Von Zeit zu Zeit ist
es gut, deinen eigenen Glauben zu verneinen, deine Begierden, deine Götter.
Religionen haben für mich einen kulturellen Wert. Und damit ist es gut.
Provokationen gehören zu meinem Leben. Auch wenn jetzt manche
Leute sagen, früher hätte ich mit Steinen geworfen, heute säße ich im Glashaus.
Ich war einer, der das System herausfordert. Ein Rebell, der jede Konvention
ablehnt. Das war die Zeit, als ich Steine warf. Heute, als Mitglied der
Regierung, verspüre ich trotzdem gelegentlich noch Lust, einen kleinen Stein zu
nehmen und ihn übers Dach kullern zu lassen. Diese Dualität ist meine Natur.
Es gibt einen philosophischen Gedanken, den sowohl die Chinesen
als auch später die Griechen kannten: Die perfekte Mitte bedeutet, dass zwei
Extreme gleichermaßen möglich sind. Es handelt sich dabei nicht um einen festen
Zustand oder Ort. Die richtige Mitte liegt in der Bewegung zwischen zwei Polen.
Manchmal befindet man sich an einem Pol, der ein Extrem darstellt. Und im
nächsten Moment ist man genau das Gegenteil. Dazwischen ist man in den
verschiedensten Positionen. Das ist die Dynamik des Lebens.
Es gibt einen philosophischen Gedanken, den sowohl die Chinesen
als auch später die Griechen kannten: Die perfekte Mitte bedeutet, dass zwei
Extreme gleichermaßen möglich sind. Es handelt sich dabei nicht um einen festen
Zustand oder Ort. Die richtige Mitte liegt in der Bewegung zwischen zwei Polen.
Manchmal befindet man sich an einem Pol, der ein Extrem darstellt. Und im
nächsten Moment ist man genau das Gegenteil. Dazwischen ist man in den
verschiedensten Positionen. Das ist die Dynamik des Lebens.
Politik ist eine Kampfkunst. Es ist unmöglich, sich Politik ohne
Konflikt und Disput vorzustellen. Zugleich muss sie bestimmten Regeln folgen.
Man muss seinen Gegner respektieren. Es ist wie ein zivilisierter Krieg. Ein
Dichter steht auf dem Schlachtfeld der Politik nicht besser oder schlechter da
als andere. Die Poesie hat ihr eigenes Reich. Aber ich mag es, wenn sich diese
Sphären vermischen. Das ist wie das Pendeln zwischen zwei Polen. Es sichert
permanente Bewegung. Poetisch Politik zu machen und politisch zu dichten – die
Gedanken und Gefühle auf beiden Seiten profitieren davon. Man sollte Politikern
ihre poetische Seite nicht verweigern. Politiker können Poeten sein und
umgekehrt.
Als ich vor den Vereinten Nationen gemeinsam mit Kofi Annan gesungen habe,
geschah das spontan. Einfach, weil sich die Gelegenheit ergab. Ich war an einem
sehr ernsthaften Ort. Mir wurde erlaubt, für ein, zwei Stunden Musik dorthin zu
bringen. Eine Gelegenheit, die Sphären zu vermischen. Ich habe dort zum Beispiel
den brasilianischen Dichter Vinícius de Moraes zitiert. Ein Poet, der zugleich
Diplomat war und einige der bekanntesten brasilianischen Lieder geschrieben hat.
Meine afrikanischen Wurzeln habe ich recht spät entdeckt, wenn ich bedenke, dass
ich von Schwarzen abstamme. Ich komme aus Bahia, dem Zentrum schwarzer Kultur in
Brasilien. Aber es dauerte lange, bis ich mir dessen bewusst wurde. Ich wurde zu
einem Mitglied der petite bourgeoisie
erzogen. Ich sollte einer dieser Ärzte oder Anwälte werden. Ein Mitglied der
modernen Gesellschaft, kosmopolitisch, großstädtisch, international orientiert.
Ich wurde nicht darauf vorbereitet, über meine Ursprünge nachzudenken. Deshalb
hat es etwas länger gedauert, bis ich mir bewusst wurde, dass wir in Brasilien
eine starke afrikanische Kultur haben.
Uniformismus ist das vorherrschende Prinzip unserer Zeit. In der globalisierten
Gleichförmigkeit ist es besonders wichtig, einen Begriff davon zu haben, wer man
selbst ist.
Einer meiner großen Träume ist, dass in Brasilien eine gemeinsame Identität
entsteht aus all den vielfältigen Strömungen, Religionen, Bevölkerungsgruppen
und Kulturen, die in unserem Land leben. Ich wünsche mir eine Identität, die
Verschiedenheit als Wert erkennt. Das ist eine Aufgabe, vor der im Grunde die
gesamte Menschheit heute steht. In dieser Hinsicht ist Brasilien ein sehr
aktuelles Land.
Musik ist Teil unseres Universums, Teil unserer kollektiven Identität. Musik
kann die Welt verändern und verändert sich mit der Welt. Musik ist eine der am
weitesten verbreiteten Sprachen auf der Erde. Die Menschheit hat Musik als eine
ihrer wichtigsten Kommunikationsformen entwickelt. Mit Musik teilen wir uns mit,
dass sich die Erde dreht.
Ich habe Bob Marley einen Bruder genannt, den ersten Popstar der Dritten Welt.
Ein anderer Bruder im Geiste war John Lennon, dessen Londoner Konzert mit der
Plastic Ono Band zu den großartigsten Erlebnissen meines Lebens zählt. Was
Marley und Lennon gemeinsam hatten, das war die Fähigkeit zur Imagination.
Sie waren große Erfinder. Sie waren Revolutionäre. Sie haben die Wahrnehmung von
Popmusik verändert. Die Art Songs zu schreiben und sie aufzuführen. Sie haben
vollkommen neue Stile geschaffen. Wir Menschen sind noch immer Fleisch. Und
Blut. Let it bleed!, wie die Rolling Stones einmal gesagt haben.
Vielleicht kommt das Licht der Erleuchtung am Ende, wenn der Vorgang des Blutens
sich erschöpft hat. Wenn wir am Ende in einen anderen Zustand übertreten. Wenn
wir sterben. Der Tod ist der einzige Begriff, den wir davon haben, was es
bedeutet, einen Zustand des Nichts zu erreichen. Von vollkommener Leere. Wenn
die Bewegung zum erliegen kommt, körperlich und geistig – vielleicht ist das der
Augenblick, in dem das Licht sich durchsetzt. Am Ende ist nur Licht. Und
Dunkelheit. Der Dialog zwischen Licht und Dunkelheit, in einer Sprache, die
nicht mehr unsere ist. Vielleicht ist das der Punkt, an dem man endlich fähig
ist, nicht mehr fähig zu sein.
Ich bin jetzt 63 Jahre alt. Das Alter hilft, sich den fortlaufenden
Veränderungen des Lebens anzupassen. Es fließen zu lassen. Es bluten zu lassen.
Es sein zu lassen. To let it be. Und ich fühle mich immer wohler damit. Es ist
ein glücklicher Zustand, in dem ich mit allem zufrieden bin, was immer mir
geschieht. Trotz einer kleinen Unruhe, die immer bleibt, macht der Tod mir keine
Angst.
(Dies sind Auszüge aus einem Artikel, der unter dem Titel
"Ich habe einen
Traum"
in "Die Zeit" vom 28. Juli 2005 erschienen ist und auf Aufzeichnungen von Ralph Geisenhanslüke
basiert).
Historisches Zentrum
("Centro Histórico) Salvadors (auch einfach –in Anlehnung an den Name
des bekanntesten Platzes der Altstadt- Pelourinho oder Pelô genannt): hier
handelt es sich –mit seinen 354 Gebäuden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert- um
den umfangreichsten kolonialen Architekturkomplex Lateinamerikas, der seit
1985 als Teil des Kultur-Erbes der Menschheit unter dem Schutz der UNESCO
steht.
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Igreja
(=Kirche) e Convento (=Kloster) de São Fransisco: befinden
sich in der Praça Anchieta (praktisch in einer Verlängerung des Terreiro de
Jesus). Die dem Kloster angegliederte Kirche ist wegen der überreichen
Vergoldung des Schnitzwerks das den ganzen Innenraum überzieht, in ganz
Brasilien bekannt. Ihre Zweiturmfassade mit Obergeschoß hat bei
Kirchenbauten im Recôncavo Baiano Nachahmung gefunden. (aus:“Brasilien“:
DuMont Kunst- Reiseführer). |
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Igreja Basílica de Nosso Senhor
Bom Jesus do Bonfim: diese auf einer Anhöhe der Halbinsel Itapagipe
in dem im Portugal des 18. und 19. Jahrhunderts gebräuchlichen neu-
klassizistischen Stil erbaute Kirche (seit 1927 Basilika) ist wohl das
bekannteste Gotteshaus Salvadors und wurde von 1746 bis 1754 erbaut. Das Jesus-
Bildnis (Statue) auf dem Hauptaltar wurde bereits 1745 von Lissabon nach
Salvador gebracht. Das Haus wurde 1991 auch von Papst Johannes Paul II besucht.
Die in jedem Januar stattfindende „Lavagem do Bonfim“ (wörtlich „Waschung des
Bonfim“), bei der in weiß gekleidete Bahianas die Treppe der Bonfim- Basilika
symbolisch reinigen, ist die wichtigste öffentliche religiöse Feier Bahias. Sie
ist sowohl eine Huldigung des Orixás Oxalá (Aussprache: Oschalla, mit Betonung
auf der Endsilbe), der durch den höchsten Gott Olorum, bzw. Olodumaré erschaffen
wurde und der mit Jesus Christus gleichgesetzt wird, als auch von Jesus selbst.
Somit handelt es sich gleichzeitig um eine Feier der Candomblé- Religion als
auch der katholischen Kirche.
Ilê Aiyê:
wurde 1974 –während der Militär-Diktatur in Brasilien- gegründet, mit Bezug zu
Afrika und unter dem Eindruck von Soul-Musik und Black Power aus den USA" (aus
"Die Macht der Trommeln", von Petra Schaeber, Archiv der Jugendkulturen Verlag
KG). Es handelt
sich um den ersten nach dem letzten Weltkrieg entstandenen sog. “Bloco Afro”, in
dem grundsätzlich ausschließlich Schwarze als Mitglied zugelassen werden.Die
“Blocos Afro” sind Musik- und Perkussionsgruppen, welche Elemente der Candomblé-
Riten in ihrem Repertoire einsetzen (z.B. den Rhythmus und Tanz eines jeden
Orixás und die jeder Gottheit entsprechende Kleidung). Sie kritisieren scharf
die sozialen Diskrepanzen und die rassischen Vorurteile in Bahia und spielen
gesellschaftspolitisch eine wichtige Rolle, da sie viel für die Bildung und
Verbesserung des Arbeitsverhältnisses, bzw. Der sozialen Lage, der schwarzen
Bevölkerung Bahias tun. Der Name Ilê Aiyê bedeutet auf Yoruba “Haus des Lebens”.
Traditionell finden die “Ensaios” (Proben) von Ilê Aiyê im Stadtteil Liberdade
von Salvador statt.
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Imbassaí: kleine Siedlung inmitten tropischer
Natur, 90 km von Salvador entfernt. Parallel zum Meer fließt der Fluss Imbassaí
durch die Siedlung und mündet nach 1 km im Meer, so dass „Wechselbäder“ (im Meer
und im Rio Imbassaí) möglich sind. |
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Foto: W.Otto |
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Literatur zu Brasilien,
bzw. zu Bahia:
Petra Schaeber/Alexander Busch, Bahia:
Salvador, Brasiliens Osten, Köln 2001 (DuMont- Verlag): dieses Buch empfehle ich den Mitreisenden aufgrund der
kurz gefassten und trotzdem ausführlichen und sensibel verfassten
Grundinformationen über Bahia.
Gut fand ich auch (mit der Einschränkung, nicht alles, was "meine"
Brasilienreisenden interessiert, gelesen zu haben):
Gesine und Joachim Kunst: Brasilien, Licht und Schatten (Weishaupt Verlag),
mit einer kurzen und gut dargestellten Geschichte des Landes im ersten Teil und
einer lebendigen Reisebeschreibung im zweiten;
John Noble, Andrew Draffen, Robyn Jones, Chris Mc Asey und Leonardo
Pinheiro: Brazil; (Verlag: Lonely Planet Publications), mit Detailinfos zu
Orts- Verhältnissen u. Unterkünften;
Siegfried Schacht und Almute Heider: Brasilien, Reiseführer mit Landeskunde (Mai
Verlag);
Andreas Neubauer, Afro- Brasilien (Promedia- Verlag).
Mercado Modelo: ist ein großer und
viel von Touristen aufgesuchter Markt in einem 1861 errichteten Gebäude, in dem
ein großes Angebot an Kunsthandwerk und sonstigen, Bahia- typischen,
Gegenständen zum Verkauf angeboten werden. In einem großen, zur Straße hin
offenen Raum finden fast den ganzen Tag lang Capoeira- Vorführungen statt (von
Zeit zu Zeit werden kleine Geldspenden für die Darsteller erbeten).
Moqueca: bahianischer Fisch- oder Krabbeneintopf, der in einem
schwarzen Tontopf auf einem heißen Untersatz serviert wird. Da bei der
Zubereitung viel Palmöl (óleo de dendê) verwendet wird, an das sich europäische
Mägen nur schwer gewöhnen, empfiehlt es sich an Stelle der Moqueca einen Ensopado zu verlangen (dieser enthält die
gleichen Zutaten, aber nur wenig Palmöl).
Museu Afro- Brasileiro:
das Museum ist Ergebnis der Kooperation zwischen Brasilien und verschiedenen
afrikanischen Staaten und wurde 1982 eingeweiht. Es bezeugt den bedeutenden
afrikanischen Einfluss auf die brasilianische Kultur, wie wir ihm im Bundesstaat
Bahia und insbesondere in Salvador auf Schritt und Tritt begegnen.
Das Museum beherbergt mehr als tausend Ausstellungsstücke, wie Masken, religiöse
Gegenstände und Kleidungsstücke. Die Objekte stammen mehrheitlich aus Nigeria,
dem Gebiet des ehemaligen Belgisch Kongo, Benin und Mosambik. Manche Stücke
wurden vom Anthropologen Pierre Verger gesammelt. Andere Schenkungen wurden von
den Mestres de Capoeira Bimba und Pastinha eingebracht (aus der Tageszeitung A
Tarde, Salvador, 5.9.04).
Museu de Arte Moderna:
siehe unter
Solar do União.
Im
Internet
finden
Sie
eine ausführliche Liste der unzähligen Museen Salvadors.
Música Brasileira
(als
Teil des Sprachkurses): Brasilien ist ein an Musikalität sehr reiches und
vielfältiges Land. Im Sprachkurs werden Texte brasilianischer Lieder als Element
zum spielerischen Umgang mit der Landessprache eingesetzt. Oben (hier
klicken)
finden Sie Auszüge
aus einen Artikel in "Die Zeit", in dem Gilberto
Gil, einer der brasilianischen Musikgenies und ehemaliger
Kulturminister Brasiliens sich über Musik und sein Leben äußert.
Orixás :ursprünglich sind dies Gottheiten der Yorubas in Afrika. Diese wirken im
Spannungsfeld zwischen dem allerhöchsten Gott Olorum (auch Olodumaré genannt)
und den Menschen (laut Olga Cacciatore). Anmerkungen zu einzelnen Orixás finden
Sie unter „Dique do Tororó“.
Paraty:
Das Städtchen liegt am Atlantik zwischen Rio de Janeiro und São Paulo. Es ist
eine Reliquie aus der Kolonialzeit, zählt zum
UNESCO-Weltkulturerbe und war zur Zeit der Versklavung
von Indianern und (anschließend und vorwiegend) Afrikanern Haupthafen für die
Ausfuhr von Gold aus dem Landesinneren. Dort endete nämlich der sog. “Caminho do Ouro“ (Weg des Goldes). Später wurde von dort Zuckerrohr und anschließend Kaffee
aus dem zwischen Rio de Janeiro und São Paulo gelegenen Paraiba- Tal verschifft.
Die Ladungen landeten dann vorwiegend in Portugal, bzw. in Europa. Der Ort ist reich an
historischer Architektur aus dem 17. Jahrhundert und Sie gehen dort über sehr
unebenes Kopfstein-Pflaster. Bei hoher Flut durchspült das Meerwasser einige der
Gassen. Dort steht auch das Geburtshaus der Mutter von Thomas Mann, Julia Mann,
die hier ihre ersten sieben Lebensjahre verbrachte.Ausgehend von Paraty können Sie Teile des überwältigenden und endlich zunehmend unter
Naturschutz stehenden Atlantischen (Regen-) Waldes kennen lernen, sowie
unzählige Strände und Inseln besuchen.
Pelourinho
(abgekürzt "Pelô"): Beide Bezeichnungen werden generell für die Altstadt von
Salvador benutzt. Der „Largo do Pelourinho“ (wörtlich "Platz des Prangers") ist einer der Plätze
Salvadors, wo in früheren Zeiten schwarze Sklaven öffentlich malträtiert
(„bestraft“) wurden. Siehe auch unter „Historisches Zentrum“.
Praia do Forte:
das ehemalige Fischerdorf Praia do Forte befindet sich 50 km nördlich des
Flughafens von Salvador und grenzt an ein Naturreservat. Es verfügt über eine
sehr gute touristische Infrastruktur: sehr schöne Strände und Lagunen mit Riffen
zum Baden, auch gut geeignet für den Tauchsport, eine hübsche Flaniermeile zum
Einkaufen und Speiselokale für jeden Geschmack. Auf Betreiben des deutschen
Besitzers eines Großteils des Ortes wurde viel zur Entwicklung eines
funktionierenden Ökotourismus unternommen und sogar eine Schule für die
Erwachsenenbildung (inklusive Lesen und Schreiben Lernen) eingerichtet. Im Ort
befindet sich auch eine der Schildkrötenschutz- Stationen des von der
staatlichen Erdölgesellschaft materiell geförderten „Projeto Tamar“. Von hier aus starten auch Exkursionen zur Beobachtung von Walen.
Projeto Axé/
Straßenkinder- und jugendliche in Salvador: sozialpolitisches Projekt, welches sich besonders um Straßenkinder
und jugendliche Stadtstreicher
kümmert, ihnen Schutz, Nahrung, sozialpsychologische Betreuung sowie ein Dach
über dem Kopf bietet und ihnen zudem eine berufliche Ausbildung in
spezialisierten Werkstätten, einem Papierrecycling-Projekt und im EDV-Bereich ermöglicht.
Der nachfolgende
Auszug aus einer Reportage von Peter Dammann, erschienen in der
TaZ vom 20.3.2004 unter dem Titel "Überleben im Pappkarton/
Die Straßekinder im brasilianischen Salvador leben gefährlich, das Hilfszentrum Axé weist Wege aus der Obdachlosigkeit" verdeutlicht das Wirken des
Projektes:
Das Geschäftsviertel Comércio ist ein Verkehrsknoten der Millionenstadt
Salvador, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Bahia. Hier starten
viele Buslinien, hier fahren die Fähren zu den Inseln, hier ist der Überseehafen
mit seinen Frachtschiffen, hier sind die großen Banken und Bürohäuser. Ein
gefährliches Revier: Selbst am Tage werden Menschen an den Bushaltestellen von
bewaffneten Banden überfallen, Bankkunden verfolgt und ausgeraubt.
Nachts schlafen Hunderte Obdachloser in den Eingängen der Bürohäuser, zwischen
den Büschen auf den Verkehrsinseln oder in Pappkartons am Zaun des Yachthafens.
Dreißig Straßenkinder, die ohne ihre Eltern hier leben, kennen die Streetworker
des Projekts Axé namentlich. Als Badezimmer dient den Kindern der kleine
Fischerhafen. Sie arbeiten als Schuhputzer, bekommen von den Straßenhändlern
kleine Hilfsjobs oder betteln Touristen an. Ihre sichersten Einnahmen aber haben
die Kinder durch sexuelle Dienstleistungen. Geschäftsleute, Seemänner,
Taxifahrer und Touristen sind es, die sich selbst von Neunjährigen oral bedienen
lassen, für umgerechnet fünfzig Cent.
Die Polizei ist kein Schutz, bisweilen sogar im
Gegenteil. Die vierzehnjährige Luala hatte mit ihren Freundinnen nachts in einer
Hausruine gegenüber den Markthallen geschlafen, als der Polizist mit den gelben
Augen kam, "Katzenauge" genannt. Er schickte alle Mädchen weg, nur Luala musste
bleiben und wurde von ihm vergewaltigt, als sie es abgelehnte, ein "Programm"
für ihn zu machen.
Veronica Santanas, die
Koordinatorin der Streetworker von Axé, hat ihr Büro im neunten Stock eines
Bürohauses in Comercio. "Luala will Katzenauge anzeigen, sie ist mit unseren
Streetworkern unterwegs", berichtet sie. Die 44-Jährige arbeitet schon von
Anfang an bei Axé, einer brasilianischen NGO, die vor dreizehn Jahren gegründet
wurde und für die Rechte der Straßenkinder kämpft. Axé - was im
Afrobrasilianischen soviel wie die Energie des Lebens bedeutet - ist für die
Straßenkinder Salvadors einer der wenigen Fluchtwege von der Straße. Das Projekt
wird zu fünfzig Prozent vom brasilianischen Staat finanziert, der Rest stammt
aus Spenden oder Fördergeldern von Organisationen wie Unicef.
Die Streetworker helfen
den Kindern, Ausweispapiere zu beantragen, sie versuchen, den Kontakt zu den
Eltern wieder aufzubauen, sie bringen die Kinder wieder in die Schule und sie
sind die Brücke von der Straße in die verschiedenen Axé-Projekte. In der
historischen Altstadt hat die Organisation ein dreistöckiges Haus, in dem
Vierzehn- bis Siebzehnjährige Kurse in Mode, Tanz und Capoeira belegen können.
In den Gruppen gibt es auch Gespäche über Liebe, Sex und Drogen. Die
Jugendlichen sollen über die künstlerische Betätigung vermittelt bekommen, dass
sie ihr Leben in die eigenen Hände nehmen müssen - und können. Vor allem sollen
sie herausbekommen, was sie sich für ihr Leben wünschen.
Im Lauf der Jahre hat Axé
hunderten von Kindern gezeigt, dass es auch für sie ein Leben jenseits der
Obdachlosigkeit geben kann. Axé hat das Denken über die Straßenkinder in
Brasilien verändert; selbst staatliche Streetworker und Polizisten besuchen
Fortbildungen und Menschenrechtsseminare bei Axé. Trotzdem, sagt Veronica
Santanas, reiche die Energie der zwölf Streetworker oft nicht aus, um auch nur
die ihnen bekannten Kinder zu schützen.
Nach neuesten Zählungen
gibt es jetzt weniger Kinder, die ganz ohne Verwandte in der Stadt leben, dafür
hat der Anteil der Kinder zugenommen, die zwar ein Elternhaus haben, aber in der
ganzen Stadt unterwegs sind, weil sie zuhause nicht gut aufgehoben sind.
Teilweise gehen sie zur Schule, sie arbeiten jedoch auf der Straße und schlafen
auch dort, wenn sie den letzten Bus verpasst haben. Nicht nur im Zentrum sind
sie unterwegs, sondern auch in den reicheren Vierteln.
Der Leiter des
Unicef-Büros in Salvador, Ruy Pavan, geht davon aus, dass heute 15.000 Kinder
manchmal und dreihundert Kinder permanent auf der Straße leben. Die Kinder
beider Gruppen sind jünger geworden, die meisten sind heute zehn bis fünfzehn
Jahre alt. Das Schlimmste ist, wenn sie in die organisierte Kriminalität
verwickelt werden, Crack rauchen und als "Flugzeugchen" arbeiten, als
Drogenkuriere.
"Es wird immer schwerer
für uns, die Kinder zu schützen", erklärt Veronica Santanas. "Das Klima ihnen
gegenüber wird immer aggressiver, und sie sind schutzloser, seit größere Gruppen
der Straßenkinder von der Polizei aufgelöst werden." Sie holt eine zwei Tage
alte Tageszeitung aus ihrem Schreibtisch. Auf der Seite mit den Polizeiberichten
ist ein Bild eines Rechtsanwalts, Allen Stanley aus den USA, ein Mann in kurzen
Hosen und weißen Haaren, zirka fünfzig Jahre alt. Er wurde im Comercio mit einem
zwölfjährigen Straßenmädchen in flagranti beim Oralverkehr erwischt. Der Polizei
war Stanley schon bekannt, aber bisher hat er sich noch immer aus dem Gefängnis
freikaufen können.
"Die größte Gefahr auf der
Straße ist, dass du beim Schlafen mit einem Stein erschlagen, mit einer Flasche
erstochen oder mit Benzin übergossen und angezündet wirst. Das ist vielen
Kindern aus unser Gruppe passiert, viele sind gestorben", erzählt Alex. Der
Achtzehnjährige lebt schon seit zwölf Jahren auf der Straße. Gangs, die
Straßenkinder umbringen, gibt es vor allem in den Vororten. Und dann fährt noch
der weiße Kombi des Jugendrichters wie ein Hundefänger durch die Stadt. Er fängt
Straßenkinder und bringt sie ins CAM, die Casa de acolhimento do menor, ein
Kindergefängnis.
Was passiert mit ihnen im
CAM? Alex: "Im CAM machen sie dich kaputt, sie sind wahre Bestien, sie fesseln
dich und sperren dich in eine Zelle mit fünfzig bs zweihundert anderen.
Besonders schlimm ist es während des Karnevals, dann sind doppelt so viele im
CAM eingesperrt."
Am nächsten Tag sitzen die zwei Streetworker, die
das vergewaltigte Strassenmädchen Luala zur Polizei begleitet haben, im
Koordinationsbüro. Sie sind niedergeschlagen. Luala ist aus einer sicheren
Unterkunft abgehauen und wieder auf der Straße unterwegs, sie hat es ohne Drogen
nicht ausgehalten. "Wenn Katzenauge von der Anzeige erfahren hat, schwebt sie
jetzt in Lebensgefahr", sagt Veronica Santanas. Und mit einem Seitenblick auf
die aufgewühlten Streetworker: "Die beiden müssen erst noch lernen, dass wir
nicht das Schicksal der Kinder sind. Wir können nur eine Hilfe sein, wenn die
Kinder das Leben auf der Straße verlassen wollen.
Projeto
Tamar: mit
dem Ziel, Meeresschildkröten vor dem Aussterben zu bewahren durch eine
Reaktivierung ihres durch die Einwirkung des Menschen stark gestörten
Fortpflanzungszyklus, gründete das Brasilianische Umweltinstitut (Instituto
Brasileiro do Meio Ambiente, kurz IBAMA genannt) 1980 das Projekt TAMAR (der
Name steht für tartarugas marinhas= Meeresschildkröten). Die Schutzstation in
Praia do Forte widmet sich der Erforschung dieser Tiere und ihres Lebensraumes
und schützt sie in den Gebieten, in denen die Eierablage erfolgt.(unter: ibama
praia do forte zahlreiche infos im Internet!)
Salvador
(Hauptstadt des Bundesstaates Bahia): die Stadt schmiegt sich an die
Allerheiligen-Bucht (Bahia de Todos os Santos) und den Atlantik. Die Bahia de
Todos os Santos ist mit ihrem Küstenstreifen von ca. 200 km die größte Bucht
Brasiliens und wurde im Jahr 1501 von einer portugiesischen Expedition unter dem
Kommando von Amerigo Vespucci entdeckt. Die Stadt selbst wurde erst 1549
gegründet und war von da an bis 1763 Sitz der Portugiesischen Krone auf dem
amerikanischen Kontinent und bis ins 18. Jahrhundert wichtigster Hafen in der
südlichen Hemisphäre. Sie wurde im 17 Jahrhundert von den Holländern zerstört
und bald darauf wieder durch die Portugiesen aufgebaut. Auffällig ist der hohe
Anteil dunkelhäutiger Menschen in der Bevölkerung, was darauf beruht, dass
Salvador ein wichtiger Landeplatz im Handel der Portugiesen mit versklavten
Menschen aus Afrika war. Salvador gilt als Musikhauptstadt Brasiliens.
Im Internet finden Sie ausführliche aktuelle Beschreibungen der Stadt.
Santo Amaro da Purificação, Cachoeira und São Felix: die Orte befinden sich im
sog. “Recôcavo Baiano”, einem weit ausgedehnten Gebiet um die Baia de Todos os
Santos. Auf den Weg dorthin fahren wir durch ausgedehnte Zuckerrohrfelder. Das
Leben in diesen Städten –es sind eher Dörfer- bewahrt noch charakteristische
Züge aus der Kolonialzeit. Die Gegend war damals das Zentrum des
Zuckerrohranbaus, der die Portugiesen dazu brachte, in großer Zahl schwarze
Sklaven aus Afrika zur Arbeit in diesen Plantagen zu zwingen.
In Santo Antonio lohnt es sich auf jeden Fall, den „urigen“ Markt zu besuchen,
wo es
Produkte aus dem Recôncavo Baiano zu kaufen gibt. Sie ist Geburtstadt von
Caetano Veloso und seiner Schwester Maria Bethania, beides Top- Stars der
brasilianischen Musikszene. Cachoeira, 120 km von Salvador entfernt, ist reich
an Gebäuden im portugiesischen Barockstil. In Cachoeira befindet sich auch der
künstlerische Nachlass des expressionistischen Malers, Holzschnitzers und
Filmemachers Karl-Heinz Hansen, bzw. “Hansen- Bahia“, wie er sich nannte. Er
wurde 1915 in Hamburg geboren. Nach einer Malerlehre diente er bei der Marine,
nahm am 2. Weltkrieg teil und erlebte das Kriegsende an der Oderfront.
Kriegserlebnisse beeinflussten stark sein künstlerisches Schaffen. Er schuf seit
1946 Holzschnittfolgen und Einzelblätter religiösen und zeitkritischen Inhalts.
1949 reiste er nach Brasilien, arbeitete und lehrte zunächst in São Paulo, wo
auch seine ersten Ausstellungen stattfanden, und übersiedelte dann nach Salvador
Bahia. Nach einem Lehraufenthalt in Äthiopien kommt er nach Brasilien zurück und
wird brasilianischer Staatsbürger. Er starb 1978 in São Felix, wo er zuletzt
wohnte. Sein dortiges Wohnhaus und Atelier ist der Öffentlichkeit zugänglich.
São Felix, gegenüber von Cachoeira ebenfalls am Paraguaçu- Fluss gelegen, ist
auch Sitz einer weltbekannten Zigarren- Manufaktur, deren Erzeugnisse den Ruf
genießen, mit den kubanischen konkurrenzfähig zu sein. (Quellen: insbes.
Schutz der indigenen Bevölkerung:
als Beispiel dafür, dass ein Schutz der Indianer auch mit dem Schutz des
Regenwaldes zusammenhängt
erwähne ich hier einen Artikel
der Organisation
Rettet
den Regenwald e.V.:
Brutaler Polizeiangriff
auf zwei Indianerdörfer in Brasilien
Ende
Januar 2006 haben 120 Polizisten im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo
mit brutaler Gewalt Siedlungen der indigenen Völker Tupinikim und Guarani
überfallen, um sie von einem 11.000 Hektar großen Grundstück zu vertreiben. Das
Land hatten die Indigenen im Sommer 2005 friedlich besetzt, nachdem der
Zellstoff-Riese Aracruz Celulose es fast 40 Jahre lang illegal genutzt hatte.
Bitte schicken Sie Protestmails an den brasilianischen Präsidenten Lula und
seinen Justizminister.
„Segensdienstag“ (=Terça da Benção )
: Jeden Dienstag finden
im Historischen Zentrum –nach
Eröffnungsgottesdiensten in den Kirchen Nossa Senhora do Rosário dos Pretos
(speziell diese Messe ist sehr erlebenswert: oft wird der Gesang von
Trommelwirbeln begleitet, es ist wirklich eine afrobrasilianische Feier!) und
São Fransisco - öffentliche Feiern und Auftritte von Musik- und
Perkussionsgruppen sowie Capoeira- Vorführungen statt. Dienstag ist nämlich
Santo Antonio (Sankt Anton)- Tag. Dieser katholische Heilige steht in Bahia für den „Orixá“
des Krieges Ogum*, dem auch die Erschaffung des Eisens und der Metalurgie
zugerechnet wird. Es handelt sich um den Sohn des obersten Orixás Oxalá und der
Göttin des Meeres Yemanjá, der mit seinem Messer die Wege bahnt (An jedem
Sonntag außerhalb der Karnevalszeit finden übrigens im Pelô von 18 bis 22:00 gratis-
Proben von Musikgruppen statt).
*Ogum wird u.U. auch mit Sankt Georg "synkretisiert".
Solar do União
(Kunst- und Kulturkomplex):
zu dieser Anlage gehören die Casa Grande, das zweistöckige Herrenhaus aus
dem 17. Jh., in dem das Museu de Arte Moderna
untergebracht ist, und vier
verschieden Galpões (Schuppen), auch Senzalas (Sklavenhäuser)
genannt, weil dort Sklaven wohnten und arbeiteten. Ab dem 18. Jh. diente der
Solar als Zuckersiederei, später als Reisschälerei und im 19. Jh. als Manufaktur
für Rapé (Schnupftabak). In der Casa Grande ist die permanente
Ausstellung mit Werken vieler bedeutender zeitgenössischen Maler Brasiliens. Im
zweiten Stock der Casa, in den Galpões und der Kapelle gibt es
Wechselausstellungen. Das Museum besitzt auch ein kleines Auditorium für
Veranstaltungen. Im Untergeschoss der Casa Grande befindet sich ein Restaurant,
in dem Folkloreveranstaltungen stattfinden (aus dem sehr zu empfehlenden Buch
von Petra Schaeber und Alexander Busch: Bahia / Salvador, Brasiliens Osten, Köln
2001).
Soziale Widersprüche in Brasilien:
laut UN leben 22 Prozent der Brasilianerinnen und Brasilianer von weniger als
zwei US-Dollar am Tag, womit der Hunger auch heute noch ein weit verbreitetes
Phänomen ist. Auf der anderen Seite verfügen zehn Prozent der Bevölkerung über
nahezu die Hälfte des Volkseinkommens. Nur ein Prozent der Grundbesitzer nennt
fast die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche sein Eigen, dagegen
verteilen sich weniger als drei Prozent der Landfläche auf drei Millionen
Kleinbauern, viele haben gar nichts.
(aus: Heft 286 von Informationen zur politischen Bildung,
1.Quartal 2005. Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Den
vollständigen Artikel über Brasilien können Sie
hier anklicken).
Diese Diskrepanz dürfte die Basis bilden für eine aus Perspektivlosigkeit und
Armut erwachsende und recht hohe Kriminalitätsrate im Land. Siehe z.B. im Film "Cidade
de Deus" (City of God), der uns eine Idee davon vermitteln möchte.
Speisen und Getränke: In Bahia ist allein schon die bunte
Vielfalt tropischer Früchte ein Hochgenuss.
Auch die afrobrasilianischen Speisen
sollte man/frau sich keinesfalls entgehen lassen. In den Speiselokalen werden
Sie überall Namen von afrobrasilianischen Gerichten wie Abará,
Acarajé, Vatapá, Caruru, Xinxim,
Moqueca ...usw. begegnen. Überall können Sie "água de coco"
(Kokoswasser, aus der frischen Kokosnuss) und
erfrischende Fruchtsäfte oder Frucht-Milch- Mischgetränke (sog. "Vitaminas")
genießen.
Stadtteil
Barra von Salvador:
am Porto da Barra (Hafen von Barra) wurden die ersten Häuser der entstehenden
Siedlung gebaut, die sich dann zur heutigen Stadt Salvador ausweitete.
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„Terça da Benção“ (= Dienstag des Segens) : Jeden
Dienstag, finden im Historischen Zentrum –nach Eröffnungsgottesdiensten in
den Kirchen Nossa Senhora do Rosário dos Pretos (rechts im Bild) und São
Fransisco - öffentliche Feiern und Auftritte von Musik- und
Perkussionsgruppen sowie Capoeira- Vorführungen statt. Dienstag ist nämlich
Santo Antonio- Tag. Dieser katholische Heilige steht in Bahia für den „Orixá“
des Krieges Ogum, dem auch die Erschaffung des Eisens und der Metalurgie
zugerechnet wird. Es handelt sich um den Sohn des obersten Orixás Oxalá und
der Göttin des Meeres Yemanjá, der mit seinem Messer die Wege bahnt. An
jedem Sonntag außerhalb der Karnevalszeit finden im Pelô von 18 bis 22:00
gratis- Proben von Musikgruppen statt. |
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Terreiro de Jesus: einer der meist
besuchten Plätze in Salvadors Altstadt. In seiner Mitte versinnbildlicht ein
1855 erstellter Brunnen die vier großen Flüsse Bahias (São Francisco, Paraguaçu,
Pardo und Jequitinhonha). Dort steht die Kathedrale Basílica da Sé, die
ehemalige Kirche des brasilianischen Jesuitenkollegs. Sie wurde von 1657 bis
1672 erbaut. Auf dem Platz befinden sich noch die Kirchen Santo Domingos und São
Pedro dos Clérigos, deren Pforten sich allerdings nur für Messebesucher öffnen.
Wald in Brasiliens
Küstenregion:
Einst
erstreckten sich die brasilianischen Küstenregenwälder, die „Mata Atlântica“,
von der Grenze Argentiniens ca. 2500 km nach Norden. Bereits 94 Prozent dieser
Wälder, die zu den artenreichsten der Welt gehören, fielen dem Raubbau zum
Opfer.
In einem Gemeinschaftsprojekt mit APREMAVI, einer brasilianischen
Umwelt-organisation, wollen der
BUND (genaueres dazu im Internet) und das Agenda-Büro der Stadt Heidelberg ein „Heidelberger Wäldchen“ im
Süden Brasiliens pflanzen. APREMAVI bemüht sich seit 1988, die restlichen Wälder
zu schützen und die Mata Atlântica wieder aufzuforsten. Dafür hat die
Organisation eine große Baumschule mit einer Produktion von 400.000 Setzlingen
im Jahr aufgebaut, die 80 (!) verschiedene heimische Baumarten anbietet.
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit von
APREMAVI ist die Umwelterziehung, denn eines der größten Probleme ist die
mangelnde Information der Bevölkerung. In einem Schulungszentrum finden Seminare
und Kurse statt, die über die Bedeutung der Wälder für die Umwelt und für den
Menschen sowie über eine ökologische Waldnutzung aufklären. Jährlich werden hier
1000 Besucher empfangen, darunter Landwirte, Facharbeiter, Lehrer und Schüler.
Bei dem für das Heidelberger Wäldchen vorgesehenen Areal handelt es sich um ein
Gelände der Gemeinde Atalanta im Bundesstaat Santa Catharina, 800 km südlich von
São Paulo. Hier entsteht der „Parque Mata Atlântica Ano 2000“. Das Heidelberger
Wäldchen wird um einen 41 Meter hohen Wasserfall im Zentrum des Parks
gepflanzt. Einen kleinen Eindruck gibt auch ein 4-minütiger Ausschnitt aus dem
Film "Heidelberg- Stadt der Zukunft" des Agenda-Büros der Stadt
Heidelberg.
Quellen
für diese Infos:
Andreas Neubauer,
Afro- Brasilien, Wien 1995; Darcy Ribeiro, O povo brasileiro,
São Paulo 1995; Olga Gudolle Cacciatore, "Dicionário de Cultos
Afro-Brasileiros", Ed. Forense-Universitária, Rio de Janeiro 1977; Gesine
und Joachim Kunst, "Brasilien, Licht und Schatten", Weishaupt Verlag,2003; Petra Schaeber/
Alexander Busch, Bahia: Salvador, Brasiliens Osten, Köln 2001; "Die Zeit" vom
28.7.2005;
"Die Macht der Trommeln", von Petra Schaeber,
Archiv der Jugendkulturen
e.V., Berlin 2006
und weitere, o. g. Quellen.

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